Archiv der Kategorie: Ukraine

Katarina und ihre Familie aus der Ukraine

Auch diese Woche möchten wir eine Familie aus der Ukraine vorstellen.

Katarina (16 Jahre) und ihre Eltern Olga und Volodomir sind vor mehr als zehn Monaten aus Charkiw (einer Stadt im Osten der Ukraine ganz nahe der russischen Grenze) nach Deutschland geflüchtet und schließlich in der Gemeinschaftsunterkunft im Walldorfer Industriegebiet gelandet. In Charkiw haben sie die russischen Bombardierungen der Stadt erlebt und nach vielen Tagen in dunklen, kalten und feuchten Kellern mit wenig Essen die Flucht nach Deutschland gewagt. Den großen Bruder und Sohn mussten sie in der Ukraine zurücklassen.

Da die Familie in der Flüchtlingsunterkunft lebt, ist es nicht möglich, dass Katarina hier in Walldorf auf eine allgemeinbildende Schule geht. Katarina lernt sehr fleißig Deutsch und spricht und versteht schon unglaublich viel. Zur Zeit besucht sie eine VBO-Klasse in Wiesloch, um Deutsch zu lernen. Allerdings spricht sie mittlerweile so gut Deutsch, dass sie dort fast schon unterfordert ist. Ihr großer Wunsch ist eine gute Schulausbildung, mit der sie später einmal im medizinischen Bereich studieren kann. Aus diesem Grund sucht die Familie dringend eine kleine Wohnung in Walldorf. Wenn sie diese hat, wird die Familie ganz offiziell in Walldorf gemeldet sein und dann kann Katarina auch hier einen Schulplatz bekommen. Es wäre also toll, wenn wir auf diesem Wege eine Wohnung für die Familie finden würden. Wenn Sie helfen können, melden Sie sich bitte bei uns im Büro des Begegnungshauses. Vielen Dank!

Ein Bild aus glücklichen Tagen in der Heimat

Nataliia und ihre Familie aus der Ukraine

Diese Woche möchten wir Nataliia und ihre drei Söhne Yaroslav (20 Jahre), Tymur (15 Jahre) und Yevhenii (12 Jahre) vorstellen. 

Die vier sind im vergangenen Jahr nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine aus ihrer Heimat nach Deutschland geflohen. Seit Ende April 2022 leben sie  nun bei uns in Walldorf. Ursprünglich kommen sie aus Mykolajiw (Миколаїв), einer Stadt etwas nordöstlich von Odessa gelegen. Mittlerweile wurde ihr Wohnhaus dort durch den Krieg zerstört. In ihrer Heimatstadt hatte Nataliia eine kleine Tanzschule für Kinder.

Alle haben sich hier in Walldorf mittlerweile gut eingelebt und fühlen sich sehr wohl. Die beiden jüngeren Söhne besuchen die Theodor-Heuss-Realschule, während Nataliia und ihr ältester Sohn Deutsch-Kurse sowohl in Walldorf als auch in Heidelberg absolvieren. Zusätzlich hilft Tymur mit viel Enthusiasmus regelmäßig bei der Walldorfer Tafel und Nataliia engagiert sich bei einem Deutsch-Sprachkurs für ukrainische Kinder im Begegnungshaus. Alle vier möchten schnell Deutsch lernen, um sich hier gut zu integrieren und sich langfristig ein neues Leben aufbauen zu können. Nataliia ist sehr dankbar für die freundliche Aufnahme in Deutschland und vor allem hier in Walldorf. Sie sagt: „Wenn uns das Schicksal Kraft und eine zweite Chance gegeben hat, dann müssen wir dies auch nutzen.“

Sprachkurse für Ukrainer*innen

Im März 2022 haben sich Mitarbeiter*innen der SAP (unter ihnen sehr viele russischsprachige) organisiert, um an verschiedenen Orten bzw. auch online Deutsch-Sprachunterricht anzubieten. In Walldorf treffen sich die Kursteilnehmer*innen bei uns im Begegnungshaus.

Diese Sprachkurse finden täglich unter der Woche statt und sind selbstorganisierend, d.h. Lehrer*innen konnten sich über eine Excel-Tabelle auf einer Plattform bei SAP für Unterrichtsstunden eintragen und den jeweiligen Unterrichtsstand austauschen. Inzwischen haben wir drei parallele Kurse mit jeweils fest zugeordneten Lehrer*innen. Zwei der Kurse vermitteln Grundkenntnisse, in einem Kurs sind die Lehrer*innen und die Teilnehmer*innen so eng zusammen gewachsen, dass sie ein Lehrbuch für das Sprachniveau A2 benutzen. Daneben gibt es noch zwei weitere, nicht täglich stattfindende Kurse mit sehr wenigen Teilnehmern, die von jeweils einem Kursleiter betreut werden.

Für die Basiskurse wird Unterrichtsmaterial verwendet, das von SAP bzw. der Stadt Walldorf kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die technischen Hilfsmittel (WhatsApp, verschiedene Übersetzungs-Tools oder das Leo-Wörterbuch) haben sich seit der großen Flüchtlingswelle 2015 deutlich verbessert und erleichtern den Unterricht sehr.

Für alle Beteiligten sind diese Kurse eine große Bereicherung.

Und wieder ein Transport in die Ukraine

Es ist der Wahnsinn, was in den letzten Wochen alles an Spenden im Begegnungshaus gesammelt werden konnte. Egal ob warme Decken, feste Stiefel, Gehstützen und Rollatoren, Betteinlagen oder OP-Kittel und natürlich auch Lebensmittel. Es gab nichts, was uns nicht nach unserem Spendenaufruf erreicht hat. Mittlerweile ist der Transporter sicher in der Ukraine angekommen und die Hilfsgüter konnten alle verteilt werden.

Wir bedanken uns ganz herzlich im Namen des Begegnungshauses bei allen Walldorfer*innen und allen auswärtigen Spender*innen für die nicht nachlassende Hilfe.

Und noch ein Hinweis in eigener Sache:

Vom 19.12.2022 bis einschließlich 08.01.2023 bleibt das Begegnungshaus geschlossen.

Konzert Rock Classics and more Volume V

Zum diesjährigen Konzert-Highlight der Constantia (die beliebte Rock Classics and more Konzertreihe) in der Astoria-Halle waren auch geflüchtete ukrainische Gäste eingeladen. Der Gesangsverein Constantia Walldorf stellte dem Begegnungshaus netterweise 20 kostenlose Tickets zur Verfügung, die wir sehr gerne an unsere ukrainischen Gäste weitergegeben haben. Die Reaktionen nach diesem tollen Rock-Konzert waren durchweg völlig begeistert. Neben der tollen Musik gab es Licht- und Pyrotechnik-Effekte, die das Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.

Das ermöglichte den ukrainischen Gästen ein paar unbeschwerte Stunden. Elena beschrieb es mit den treffenden Worten: “Magie pur!”

Noch einmal vielen Dank an die Constantia für die kostenlosen Tickets. 

Elena und ihre Familie vor Konzertbeginn

Leléka – der Storch

Wie auch sonst sollte ein Quartett heißen, das vom Lions Club Walldorf Astoria in die schöne Astorstadt zum Benefizkonzert geholt wurde, um uns einen musikalischen Abend der Superlative zu bescheren. Im Ukrainischen steht der Name als Symbol für Frühling und Glück. Das junge, multikulturelle Quartett aus Berlin rund um die ukrainische Sängerin Victoria Leléka nahm uns mit in die Welt der ukrainischen Volkslieder und verzauberte das ganze Publikum mit ihrem Charme.

Der Sektempfang und das Flying Buffet wurden unterstützt von fünf unserer ukrainischen Jugendlichen, die mit ihren traditionellen Hemden und Blusen und einem Lächeln im Gesicht ebenfalls für Glanz im evangelischen Gemeindehaus sorgten.

Natalia beschrieb diesen wunderschönen Abend mit den treffenden Worten: “Es war wunderbar. Ich habe die Musik nicht nur gehört, sondern auch gefühlt. Tausend Dank für diesen schönen Abend.”

Auch wir sagen: Dankeschön Lions Club Walldorf Astoria – Dankeschön Leléka für diese unvergesslichen Stunden.

Unsere jugendlichen Helfer*innen
2. von links: Sängerin Victoria

Spendenaufruf für die Ukraine

Auch nach mehr als einem halben Jahr dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine leider weiter unvermindert an. Und genauso groß ist auch weiterhin die Not und das Leiden der Menschen in der Ukraine. Deshalb rufen wir erneut zu Sachspenden auf, die von Sergey zum wiederholten Male mit einem Transporter in die Ukraine gebracht werden. Von Montag bis Freitag können die Spenden in der Zeit von 15-18 Uhr bei uns im Begegnungshaus abgegeben werden. Folgende Dinge werden benötigt:

  • Schlafsäcke
  • Isomatten
  • warme Decken
  • Wasserkocher
  • Thermoskannen
  • Medikamente (auch angebrochene Schachteln)
  • Medizinprodukte allgemein
  • haltbare Lebensmittel
  • Hygieneprodukte

Wir bedanken uns schon im Voraus für Ihre Spenden.

Nikolai und seine Familie aus der Ukraine

Nikolai ist mit seiner Familie aus der Ukraine zu uns nach Walldorf geflüchtet und erzählt hier über sich:

“Wir sind eine ganz gewöhnliche ukrainische Familie. Wie auch viele andere. Mein Name ist Nikolai (44), meine Frau heißt Irina (39). Wir haben drei Söhne:  Vasili (14), Kolja (10) und Lubomir (4). Gelebt und gearbeitet haben wir in unserem geliebten und wunderschönen Odessa. Meine Frau und ich sind Ärzte und wir lieben unseren Beruf! Wie auch alle anderen führten wir ein ganz normales Leben – wir haben gearbeitet, hatten Pläne für die Zukunft… Unsere Kinder waren glücklich – in der Schule, im Kindergarten, im Sport… Bis zu diesem Moment, an dem wir völlig unerwartet und völlig unvorbereitet all das hinter uns lassen mussten, um uns und vor allem unsere Kinder in Sicherheit zu bringen. So sind wir in Deutschland gelandet. Und wir danken Deutschland und den Menschen hier, die uns aufgenommen haben, uns geholfen haben und uns immer noch unterstützen. Ganz ehrlich – das haben wir nicht erwartet. Unser herzliches Dankeschön an dieser Stelle! Im Moment besuchen meine Frau und ich die Integrationskurse, wir lernen Deutsch. Unsere älteren Jungs wurden in die Schule aufgenommen und der Jüngste im Kindergarten. Auch Fußball spielt für die Kinder nach wie vor eine große Rolle. Was wünschen wir uns für die Zukunft? Da sind wir uns einig – sobald es sicher genug ist, wollen wir zurück in unsere geliebte Ukraine, nach Hause. Wir wollen unser normales Leben zurück. Bis dahin geben wir unser Bestes, um uns hier in Deutschland zu integrieren.”

Nachtrag: Inzwischen hat sich Nikolai mit seiner Familie tatsächlich entschlossen, nach Odessa zurückzukehren. Sie möchten trotz der Sicherheitsbedenken wieder in der Nähe von Familie und Freunden leben und ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Ukraine leisten. Wir wünschen ihnen alles Gute!

Deutsch-Kurs für ukrainische Kinder

Seit April gibt unser ehrenamtlicher Mitstreiter Lutz Brunnabend einen Deutsch-Kurs für ukrainische Kinder bei uns im Begegnungshaus. Hier erzählt er selber davon:

Da gibt es in Europa und in der heutigen Zeit einen Diktator, der ein fremdes Land überfallen- und tausende Menschen vor unseren Augen ermorden lässt. 
Was können wir hier tun? Neben Sach- und Geldspenden wollte ich durch persönlichen Einsatz in Form von Deutsch-Kursen helfen. Es dauerte nicht lange und mir wurde eine Schar von ukrainischen Kindern zugeteilt. Weder diese Kinder noch deren Mütter sprachen mit mir irgendeine gemeinsame Sprache. So bat ich um eine Co-Lehrerin, die ukrainisch oder russisch sprechen kann. Olga Bitner wurde gefunden, die den Unterricht seither mit großem Einsatz unterstützt. Später kam noch Hilfe durch Sigrid Blaettner und sogar von Nachbarskindern hinzu.
Es ist nicht leicht bis zu 10 Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren zu unterrichten. Sie  tuscheln, sind manchmal unpünktlich und machen genauso ungern ihre Hausaufgaben wie wir damals auch. Und aller Anfang war schwer. Es gibt für unsere Kindergruppe keine geeigneten Lehrbücher, weshalb wir uns eigene Lehrbücher für jede Stunde speziell und oft auch individuell für einzelne Kinder erstellen. Dazu gehört lesen, schreiben, rechnen, Rätsel raten und auch mal basteln.
Die Kinder sind alle sehr nett und es macht großen Spaß mit ihnen zusammen zu arbeiten. Inzwischen stellen sich erste Erfolge ein. Die Kinder merken, dass sie durch Anwendung selbst ihrer noch kleinen Deutschkenntnisse „Reaktionen“ verursachen können. Dadurch werden sie mehr und mehr motiviert, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und sich gut zu integrieren. Die Dankbarkeit bei Unterstützungen in jeder Form ist auf allen Seiten überwältigend.

Deutsch-Kurse für ukrainische Jugendliche

Stell Dir vor Du bist 14, 16, 17 Jahre alt, gehst in der Schule allmählich auf die Zielgerade zu, hast vielleicht schon einen Plan für die Zukunft, die Gleichaltrigen werden immer wichtiger und die Eltern treten immer mehr in den Hintergrund – und dann ändert sich alles von heute auf morgen. Das eigene Zuhause, das eigene Leben und das der Angehörigen sind unmittelbar oder mittelbar bedroht. Die Familie entschließt sich als Ganzes oder teilweise zu fliehen. Die Freunde sind plötzlich überall in Europa auseinandergerissen. Du selbst landest in einem fremden Land, dessen Sprache und Schrift Dir vielleicht völlig fremd sind. Dieses Land leistet viel Hilfe, gleichzeitig ist viel Bürokratie zu überwinden. 

In dieser Situation bietet das Begegnungshaus in Walldorf ganz unkompliziert Unterstützung an. Neben den Deutschkursen für Erwachsene durch ehrenamtliche Lehrer*innen gibt es seit Ende März auch eine Art „Deutschkurse“ für Jugendliche. 

Zum Teil haben sie kontinuierlich ukrainischen Online-Unterricht, zum Teil gehen sie in die „normalen“ Klassen hier, zum Teil können sie gar keine Schule besuchen, weil sie als Gäste der Gemeinschaftsunterkunft noch keinen festen Wohnort haben. In diesem Fall sind die Gruppenstunden im Begegnungshaus quasi der einzige schulische Anker für die Jugendlichen. 

In den Gruppenstunden findet kein normaler Unterricht statt. Erste Maßgabe ist: die Jugendlichen sollen eine positive, ermutigende Erfahrung mit der deutschen Sprache machen. Daher wird jedes Mal auch gespielt (und gelacht). Die ersten Zahlen und Farben werden z.B. ganz nebenbei bei Uno oder einem Bingo-Roulette gelernt. Neu gelernte Wörter werden nicht einfach „abgehört“, sondern wir machen ein Rätsel daraus und üben so auch automatisch das Alphabet und die Aussprache. Neben dem Spiel lernen wir jedes Mal neue Wortfelder und immer auch ein bisschen neue Grammatik dazu.

Um uns gegenseitig verstehen zu können, ist jedes Mittel recht: Hände, Füße, Mimik, aber auch Übersetzungs-Apps, die immer wieder für spontane Lacher sorgen. Wenn die Lehrkraft auf Deutsch und auf Englisch erklärt, gibt es immer jemanden, der ins Ukrainische oder Russische übersetzen kann.

Wie alle Jugendlichen sind auch „unsere“ ukrainischen Jugendlichen nicht immer hellwach und aufmerksam, aber sie sind immer bereit und lernwillig, immer sehr höflich und freundlich. Und sie haben eine unendliche Geduld, wenn wir als Deutsche versuchen, ein ukrainisches Wort auszusprechen. Ein paar Worte haben wir immerhin auch schon gelernt:

Доброго дня (dobrogo dnya) – Guten Tag

Так – Ja

Дякую (dyakuyu) – Danke

Прощавай (proshchavay) – Tschüss/Auf Wiedersehen